Projekt Queer Refugees Deutschland

Trans*

Ratgeber für neu zugewanderte und geflüchtete trans* Menschen

 

Was kannst du in diesem Ratgeber erfahren?

  • Was transsexuell, transgender, trans* und andere Begriffe bedeuten
  • Dass und wie du als trans* Mensch in Deutschland durch Gesetze geschützt bist
  • Wie du mit Diskriminierung umgehen kannst
  • Wie du deinen Vornamen und deinen Geschlechtseintrag ändern kannst
  • Welche Möglichkeiten es gibt, deinen Körper an dein „wahres“ Geschlecht anzugleichen
  • Wo du Unterstützung und Hilfe finden kannst
  • Wo du andere trans* Menschen kennenlernen kannst

Bei dem Text handelt es sich um eine gekürzte und leicht angepasste Version von „Trans* Geflüchtete Willkommen – Ein Ratgeber für neu zugewanderte und geflüchtete trans* Menschen. Unser Dank gilt den Autor*innen Freddie* Heithoff und Mika Schäfer sowie dem rubicon e.V. und dem Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans* NRW e.V., die die Texte entwickelt und dem LSVD zur Verfügung gestellt haben.

Wenn du ausführliche Informationen zum Asylverfahren suchst, findest du diese als ausführlichen Ratgeber unter Leitfaden oder in Form von Erklärfilmen unter Video.

 

  1. Trans* Definitionen und weitere wichtige Begriffe

Wie du dich definierst, ist allein deine Entscheidung. Es kann sein, dass sich einer der folgenden Begriffe für dich passend anfühlt, es muss aber nicht sein.

Transsexuell/ transident/ transgender

Wenn ein Kind zur Welt kommt, wird anhand bestimmter Geschlechtsorgane (Vagina oder Penis) entschieden, ob es als Mädchen oder als Junge aufwachsen soll. Viele trans* Menschen merken schon als Kinder, dass sich das für sie nicht richtig anfühlt. Wenn sich ein Mensch entscheidet, nicht mehr in dem Geschlecht zu leben, das ihm oder ihr bei der Geburt zugeschrieben wurde, gibt es verschiedene Möglichkeiten, in dem anderen Geschlecht zu leben. Diese Möglichkeiten erklären wir in dieser Broschüre. Menschen, die in einem anderen Geschlecht leben (möchten) als in dem bei ihrer Geburt zugewiesenen Geschlecht, definieren sich oft als transsexuell, transident oder transgender.

Trans* Frau

Ein Mensch, der bei der Geburt als Junge definiert wurde, sich aber als Frau fühlt und jetzt als Frau lebt.

Trans* Mann

Ein Mensch, der bei der Geburt als Mädchen definiert wurde, sich aber als Mann fühlt und jetzt als Mann lebt.

Nicht-binär / non-binary / NB / Enby 

In der Gesellschaft  überwiegt die Vorstellung, dass es nur zwei Geschlechter gibt: Mann und Frau. Tatsächlich gibt es jedoch viel mehr als zwei Geschlechter. Als nicht-binär bezeichnen sich Menschen, die sich nicht eindeutig oder nicht ausschließlich als Mann oder Frau definieren. Diese Menschen können sich als >weder noch<, >sowohl als auch<, >dazwischen<, >ohne< oder >mit irgendeinem Geschlecht< verorten.

Trans*, trans* Mensch

Als trans* können sich alle Menschen bezeichnen, die sich nicht dem Geschlecht zugehörig fühlen, das bei der Geburt festgestellt wurde.  Das Sternchen (*) steht als Platzhalter für Selbstdefinitionen wie zum Beispiel transgender, transident, nicht-binär. Es zeigt, dass es unzählige Geschlechtsidentitäten gibt, die sich in diesem Begriff wiederfinden können. Menschen, die sich dem Geschlecht zugehörig fühlen, das für sie bei der Geburt dokumentiert wurde werden als „cis“ bezeichnet.

Transition

Als Transition bezeichnen wir den Übergang in ein anderes Geschlecht, also zum Beispiel von Mann zu Frau, beziehungsweise die Angleichung äußerer Merkmale an das empfundene Geschlecht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich an ein anderes Geschlecht anzugleichen. Du kannst dir beispielsweise einen neuen Vornamen aussuchen, der gut zu dir passt, und anderen Menschen davon erzählen. Deinen Vornamen und deinen Geschlechtseintrag kannst du auch offiziell ändern lassen: Auf deinem Ausweis stehen dann der Name und das Geschlecht, mit denen du dich wohlfühlst. Außerdem hast du die Möglichkeit, dich äußerlich an dein empfundenes Geschlecht anzupassen. Vielleicht möchtest du eine Hormonbehandlung beginnen, deinen Körper durch Operationen angleichen oder entsprechend andere Kleidung tragen. Welche Möglichkeiten es gibt und wie du sie umsetzen kannst, erklären wir dir in dieser Broschüre. Welche Schritte jemand geht, ist jedem Menschen selbst überlassen. Du musst keine Hormone nehmen oder dich operieren lassen, um du selbst zu sein. Du allein entscheidest, was sich für dich gut anfühlt!

Passing

Die meisten Menschen möchten als das Geschlecht, in dem sie sich wohlfühlen, erkannt werden. Das heißt, wenn du dich als Mann fühlst (also ein Mann bist), möchtest du wahrscheinlich auch, dass andere Menschen dich so sehen und ansprechen: Du möchtest ein gutes Passing haben. Dafür sind eine Hormonbehandlung und/oder eine Operation hilfreich, aber nicht notwendig. Auch das Tragen der jeweiligen Kleidung hat eine starke Auswirkung auf dein Passing. Du merkst für dich, ob du mit deinem Passing zufrieden bist und welche Schritte du gehen möchtest, um dein Passing zu verändern.

Coming-Out

Es gibt zwei Arten von Coming-Out: das innere und das äußere. Wenn du dir selbst darüber bewusst wirst, dass deine Geschlechtsidentität nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das bei deiner Geburt festgestellt wurde, nennt sich das „inneres Coming-Out“. Das innere Coming-Out kann sehr lange dauern und geschieht nicht von einem auf den anderen Tag. Wenn du dich entscheidest, deiner Familie, Freundinnen und Freunden oder anderen Menschen davon zu erzählen, nennt sich das „äußeres Coming-Out“. Es gibt viele Menschen, die kein äußeres Coming-Out haben, oder nur einzelnen Menschen davon erzählen, vor allem, wenn es in ihrem Land zum Beispiel verboten ist, trans* zu sein. Du musst niemandem von deinen Gefühlen erzählen. Manchmal hilft es aber, sich bestimmten Personen gegenüber zu öffnen, sich auszutauschen oder um Rat zu fragen.

Pronomen

Pronomen sind Elemente der Sprache, die sich auf Menschen beziehen und einen Hinweis auf deren Geschlecht geben. Auf Deutsch sind das zum Beispiel „er“ oder „sie“. Wenn du dich entscheidest, in dem für dich als richtig empfundenen Geschlecht offen zu leben, möchtest du wahrscheinlich auch, dass andere Menschen dich so ansprechen. Also wählen die meisten trans* Frauen das Pronomen „sie“, trans* Männer meist das Pronomen „er“. Für Menschen, die weder Frau noch Mann, also nicht-binär sind, gibt es im Deutschen leider noch kein offizielles Pronomen. Nicht-binäre Menschen suchen deshalb oft nach anderen Möglichkeiten und entwickeln eigene Pronomen für sich wie z.B. „sier“, „er*sie“ oder „nin“. Manche nutzen auch ihren Vornamen als Pronomen. Es kann für Menschen sehr verletzend sein, wenn jemand das falsche Pronomen für sie verwendet. Als welches Geschlecht Menschen sich definieren, können wir nicht wissen. Deswegen ist es gut, die Menschen zu fragen, welches Pronomen sie bevorzugen.

LSBT*I*Q

Die Buchstaben stehen für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans*, Inter* und Queer. Diese Menschengruppen werden oft zusammen adressiert, weil es gemeinsame Bewegungen und Angebote gibt. Die Begriffe stehen aber für Unterschiedliches: Lesbisch, schwul und bisexuell sind sexuelle Orientierungen (also: Wen liebe ich? Auf wen stehe ich?). Inter* Menschen haben Körper, die nicht ausschließlich der verbreiteten Vorstellung von „weiblich“ oder „männlich“ entsprechen. Trans* Menschen können heterosexuell, lesbisch, schwul oder bisexuell sein. Sie können auch inter* sein.

Queer

Der Begriff queer wird oft als Sammelbegriff genutzt für Menschen, die sich nicht in eine Kategorie einordnen wollen oder von einer gesellschaftlichen Norm abweichen. Als queer können sich z.B. Menschen definieren, die sich weder als Mann noch als Frau einordnen, den Begriff trans* für sich aber auch nicht passend finden. Auch Menschen verschiedener sexueller Orientierungen finden sich unter diesem Begriff wieder.

Geschlechtsidentität

Deine Geschlechtsidentität bedeutet, dass du dich als Frau, Mann oder als nicht-binärer Mensch fühlst beziehungsweise identifizierst. Geschlechtsidentität steht für das, was in dir vorgeht und kann sich unabhängig davon entwickeln, wie du dich nach außen zeigst.

Sexuelle Orientierung

Sexuelle Orientierung beschreibt, welches Geschlecht du anziehend findest. Das kann auf romantischer und/ oder sexueller Ebene sein. Deine sexuelle Orientierung und deine Geschlechtsidentität sind unabhängig voneinander. Wenn du dich also entscheidest, dass du durch eine Transition als Mann leben möchtest und vorher Männer geliebt oder begehrt hast, dann kannst du das als trans* Mann immer noch tun. Oder umgekehrt, wenn du vorher Frauen geliebt oder begehrt hast, kannst du das nach der Transition weiterhin tun. Ob du schwul, lesbisch, bisexuell, heterosexuell oder anderes bist, hat mit deinem Geschlecht nichts zu tun. Deine sexuelle Orientierung muss sich deshalb mit der Transition nicht ändern. Sie kann sich ändern. Beides ist völlig in Ordnung.

Geschlechterrollen

Geschlechterrollen werden durch die Gesellschaft geprägt. Das bedeutet, dass zum Beispiel in einer Gesellschaft erwartet wird, dass ein Junge mit Autos und ein Mädchen mit Puppen spielt. Auch wenn sich das heutzutage in Deutschland schon in vielen Bereichen geändert hat, kommt es noch oft vor, dass einem Geschlecht bestimmte Interessen oder Eigenschaft en zugeschrieben werden. Diese muss der Mensch dann häufig erfüllen, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Geschlecht selbst – wie auch die Geschlechterrolle – wird also von der Gesellschaft geprägt. Kinder lernen erst einmal, dass ihr Geschlecht genau das sein muss, das bei der Geburt von Ärztinnen und Ärzten festgestellt wurde. Menschen können jedoch anders sein und sich anders verhalten als von ihnen erwartet wird. Dass also ein Kind mit einem Penis geboren wird, heißt nicht, dass es als Junge leben muss, sondern es kann im Laufe seines Lebens selbst entscheiden, ob es als Frau, Mann oder als nicht-binärer Mensch leben möchte und wie es sein Geschlecht ausdrückt.

Intergeschlechtlichkeit, intersexuell, inter*

Wenn ein Mensch beispielsweise bei der Geburt nicht klar als Mädchen oder Junge eingeordnet werden kann, weil er nicht die typischen Geschlechtsmerkmale aufweist, sondern „zwischen den Geschlechtern“ ist, sprechen wir von Intergeschlechtlichkeit. Zum Beispiel kann ein Kind mit einer Vagina und nach innen gewachsenen Hoden geboren werden. Einige inter* Menschen merken erst in der Pubertät, dass sich ihr Körper nicht so entwickelt wie der von anderen Kindern, wenn zum Beispiel ein Mädchen Bartwuchs entwickelt. Menschen können auch inter* sein, ohne es jemals zu wissen. Wie alle anderen Menschen können auch inter* Menschen sich als Männer, als Frauen oder als nicht-binär erleben und definieren. Viele inter* Menschen werden oft im Kindesalter ohne ihre Zustimmung operiert, um „eindeutig weibliche“ oder „eindeutig männliche“ Geschlechtsmerkmale herzustellen. Diese Broschüre richtet sich nicht spezifisch an inter* Menschen. Allerdings sind einige Themen auch für euch relevant und natürlich könnt ihr euch auch bei Fragen an die Beratungsstellen wenden (siehe Abschnitt 4).

 

  1. Diskriminierung

Diskriminierung bedeutet, dass ein Mensch zum Beispiel wegen der Hautfarbe oder des Geschlechts anders oder schlechter behandelt wird als andere Menschen.

Antidiskriminierungsgesetz

Du bist in Deutschland als transsexueller/transidenter Mensch durch Gesetze vor Diskriminierung geschützt.

Das Grundgesetz ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland und das wichtigste und höchste Gesetz in Deutschland. Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht, dass der Staat niemanden wegen des Geschlechts oder der Herkunft benachteiligen oder bevorzugen darf (Artikel 3 GG).

Außerdem gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Es verbietet, dass Menschen aus den folgenden Gründen diskriminiert werden:

  • Religion oder Weltanschauung
  • Behinderung oder chronische Erkrankung
  • Alter
  • Herkunft oder Hautfarbe
  • Geschlecht
  • Sexuelle Identität

Es gibt verschiedene Anlässe, weshalb Menschen von Anderen diskriminiert werden. Für uns sind in dieser Broschüre vor allem die Punkte „Herkunft und Hautfarbe“ und „Geschlecht“ wichtig. Denn das Gesetz sagt, dass Menschen gleichbehandelt werden müssen, egal ob sie zum Beispiel aus Deutschland kommen oder zum Beispiel aus Afghanistan, Bulgarien, China oder einem anderen Land. Auch trans* Menschen dürfen nicht anders oder schlechter behandelt werden als andere Menschen.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gilt vor allem im Arbeitsleben und in verschiedenen Bereichen des Alltags. So ist es zum Beispiel verboten, eine muslimische Frau bei einem Vorstellungsgespräch abzuweisen, weil sie ein Kopftuch trägt. Es ist auch verboten, Menschen aufgrund ihrer Herkunft eine Wohnung nicht zu vermieten, oder jemanden in einem Restaurant nicht zu bedienen, weil er oder sie trans* ist.

In welchen Bereichen genau du gesetzlich geschützt bist, kannst du hier auf acht verschiedenen Sprachen nachlesen:

Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Transphobie / Transfeindlichkeit

Die Begriffe Transphobie und Transfeindlichkeit bezeichnen Vorurteile, negative Einstellungen oder Aggressionen gegenüber trans* Menschen.

Obwohl in Deutschland das Antidiskriminierungsgesetz gilt, passieren auch in Deutschland transfeindliche Diskriminierungen und Übergriffe. Leider gibt es viele Menschen in Deutschland, für die Transsexualität/ Transgeschlechtlichkeit nicht „normal“ ist. So zeigt eine Studie aus dem Jahr 2012, dass 73 % der trans* Männer und 85 % der trans* Frauen in den letzten fünf Jahren diskriminiert worden sind.

Es gibt verschiedene Formen von Diskriminierung, mit denen trans* Menschen zu kämpfen haben. Dazu gehören zum Beispiel Beleidigungen, das (wiederholte) Ansprechen mit dem falschen Pronomen (Misgendering), Fragen nach intimen Details, sexuelle Übergriffe und andere Formen von Gewalt.

Auch die Verfahren, die Menschen durchlaufen müssen, um zum Beispiel Hormone oder eine Vornamensänderung bewilligt zu bekommen, können für die Betroffenen sehr belastend sein. Denn diese Verfahren dauern teilweise sehr lange und kosten Geld.

Umgang mit Diskriminierung / Hilfsangebote

Du bist nicht alleine!

Es gibt viele Möglichkeiten, dir Hilfe zu holen!

Wenn du von Diskriminierung betroffen bist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen. Du kannst versuchen, für dich selbst einen Umgang damit zu finden. Wenn etwas Diskriminierendes zu dir gesagt wird, kannst du versuchen, es zu ignorieren oder wegzuhören. Wenn du weißt, dass es bestimmte Orte gibt, an denen du nicht gut behandelt wirst, dann kannst du versuchen, diese zu meiden. Außerdem kannst du dir eine Umgebung suchen, in der du dich wohlfühlst und wo du genauso angenommen wirst, wie du bist. Für manche Menschen sind das Freunde und Freundinnen oder Verwandte. Für andere können Selbsthilfegruppen oder andere Gruppen für trans* Menschen eine solche Umgebung sein. Dort gibt es Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen wie du und mit denen du über Probleme sprechen kannst.

In diesen und weiteren Umgebungen kannst du auch Menschen finden, die dir helfen und dich unterstützen können. Außerdem gibt es Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst, wenn dir Gewalt angetan wurde.

 

  1. Transition

In Abschnitt 1 haben wir bereits grob erklärt, welche Schritte eine Transition beinhalten kann. Hier werden wir etwas ausführlicher die möglichen Schritte beschreiben. Das heißt aber nicht, dass es immer so verlaufen muss. Manchmal dauern Verfahren länger oder es treten Hindernisse oder Probleme auf. Leider können wir hier nicht jeden möglichen Schritt der Transition ausführlich erklären. Es ist also sehr ratsam, dir Unterstützung zu holen, die dich bei deiner Transition begleitet. Sowohl eine Beratungsstelle, die dir alles ausführlich erklärt, als auch Menschen, die dich emotional auf deinem Weg begleiten, können sehr hilfreich sein.

Rechtliche Voraussetzungen / Vornamens- und Personenstandsänderung

In Deutschland gilt seit 1981 das Transsexuellengesetz (TSG). Dieses Gesetz gibt trans* Menschen die Möglichkeit, sich rechtlich dem passenden Geschlecht anzugleichen.

Dieses Gesetz gilt auch für dich als geflüchteter Mensch, wenn:

  • du als „staatenloser Ausländer“ oder „staatenlose Ausländerin“ in Deutschland bist
  • du als asylberechtigter oder „ausländischer Flüchtling“ deinen Wohnsitz in Deutschland hast, oder
  • es in deinem Herkunft sland keine Regelung wie das Transsexuellengesetz gibt und du – ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt, oder – eine verlängerbare Aufenthaltserlaubnis besitzt und dich dauerhaft regelmäßig in Deutschland aufhältst.

Wenn du dein Asylverfahren noch nicht beendet hast oder abgelehnt wurdest, musst du leider warten, bis du in einem (erneuten) Verfahren einen Aufenthaltstitel bekommen hast. Du kannst aber in der Wartezeit schon mit den ersten Schritten beginnen (zum Beispiel zu einer Beratungsstelle gehen, dir eine Therapeutin oder einen Therapeuten suchen).

Das Gesetz regelt vor allem, dass und wie du deinen Vornamen und/ oder deinen Personenstand (Geschlechtseintrag) in deinen Papieren ändern kannst. Damit du das tun kannst, musst du laut §1 des Transsexuellengesetzes folgende Voraussetzungen erfüllen:

  1. Du musst dich seit mindestens drei Jahren dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen und das starke innere Bedürfnis haben, in dem Geschlecht zu leben.
  2. Es muss mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen sein, dass sich deine Zugehörigkeit zu dem anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird. Ein Gericht überprüft, ob du diese Voraussetzungen erfüllst. Dafür gibt das Gericht zwei Gutachten in Auftrag. Dies wird von vielen trans* Menschen kritisiert. Du kannst dem Gericht Gutachterinnen oder Gutachter vorschlagen. Für Empfehlungen zu Gutachterinnen und Gutachtern wende dich am besten an eine lokale Gruppe. Die Gutachterinnen und Gutachter führen Gespräche mit dir und verfassen ein Gutachten mit ihrer Einschätzung, die das Gericht dann bekommt. Das Gericht entscheidet, ob dein Vorname und/oder dein Personenstand geändert werden darf.

Du hast auch die Möglichkeit, nur deinen Vornamen zu ändern und deinen Personenstand (Geschlechtseintrag) später oder gar nicht zu ändern. Wenn du beides ändern möchtest, ist es sinnvoll, beide Änderungen gleichzeitig zu beantragen.

Für Unterstützung und genauere Informationen zu den Verfahren wende dich am besten an eine der Trans*-Beratungsstellen. Auch Selbsthilfegruppen können dir weiterhelfen.

Es kann sein, dass das Transsexuellengesetz bald geändert wird. Neue Regelungen sollen es trans* Menschen einfacher machen, ihren Namen und ihren Geschlechtseintrag zu ändern. Für Informationen zu aktuellen Entwicklungen wende dich am besten auch an eine Beratungsstelle oder eine Selbsthilfegruppe.

Seit Ende 2018 gibt es in Deutschland zusätzlich zu dem Geschlechtseintrag „männlich“ oder „weiblich“ auch den Geschlechtseintrag „divers“. Allerdings steht diese Option nicht allen Menschen offen, sondern vor allem inter* Menschen. Für den Geschlechtseintrag „divers“ benötigst du zurzeit eine Bescheinigung von einer Ärztin oder einem Arzt, in der steht, dass bei dir „Varianten der Geschlechtsentwicklung“ vorliegen. Dies könnte sich aber auch bald ändern.

Eine gute Nachricht: Du kannst ohne Gutachten oder ähnliches einen sogenannten Ergänzungsausweis bei der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti) bekommen. Darauf stehen dann der Name, das Geschlecht und das Pronomen, die du für dich selbst gewählt hast. Dieser Ausweis ist eine Unterstützung im Alltag, aber kein offizielles Ausweisdokument.

Die Webseite ist nur auf Deutsch. Für weitere Informationen, wie du den Ausweis bekommst und wofür du ihn verwenden kannst, frag am besten bei einer Beratungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe nach.

Angleichungsmöglichkeiten / Kostenübernahme

Die Angleichung deines Körpers an dein „wahres“ Geschlecht und deine Vornamens- und Personenstandsänderung sind nicht voneinander abhängig. Du kannst selbst entscheiden, ob du all diese Wege gehen willst oder nicht. Wenn du nur eine Hormonbehandlung machen möchtest, ohne deinen Geschlechtseintrag zu ändern, ist das völlig in Ordnung. Umgekehrt darf dich niemand dazu zwingen, dich operieren zu lassen, wenn du deinen Geschlechtseintrag und/oder deinen Namen ändern willst.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten einer körperlichen Transition:

Trans* Männer:

  • Hormonbehandlung (Testosteron)
  • Entfernung der Brüste
  • Entfernung der Gebärmutter, der Eierstöcke und des Eileiters
  • Aufbau eines Penis

Trans* Frauen:

  • Hormonbehandlung (Östrogen)
  • Brustaufbau
  • Entfernung der Hoden und des Penis
  • Aufbau einer Vagina
  • Kehlkopfreduktion
  • Operative Stimmangleichung
  • „Gesichtsfeminisierung“
  • Bartentfernung durch Laser oder Nadeln
  • Haartransplantation

Außerdem können trans* Frauen durch Stimmtraining ihre Stimme verändern. Auch Menschen, die weder Männer noch Frauen sind, können diese Maßnahmen für sich wünschen. Sie können diese auch bekommen, aber häufig ist das für sie schwieriger als für trans* Frauen und trans* Männer. Lass dich am besten beraten und unterstützen.

Viele dieser Maßnahmen werden von der Krankenkasse gezahlt. Wenn du einen Aufenthaltstitel hast, bist du staatlich krankenversichert. Dadurch werden für dich die gleichen Kosten übernommen wie für deutsche Staatsbürger und Staatsbürgerinnen. Wenn dein Asylverfahren noch nicht beendet ist oder dein Asylantrag abgelehnt wurde, hast du leider nur ein eingeschränktes Anrecht auf medizinische Versorgung. Daher kann es sein, dass dir eine Hormonbehandlung nicht finanziert wird. In vielen Fällen jedoch wird auch Menschen ohne vollen Versicherungsschutz eine Hormonbehandlung genehmigt. Wende dich bei Problemen unbedingt an eine Beratungsstelle, die dir dabei helfen kann. Auch Selbsthilfegruppen können dir bei vielen Fragen weiterhelfen (siehe Abschnitt 4).

Hormonbehandlung

Durch eine Hormonbehandlung verändert sich dein Körper. Der Prozess verläuft bei jedem Menschen anders. Meist verändern sich die Körperform (Fett und Muskeln), die Gesichtsform und die Haut. Außerdem können trans* Männer unter anderem Bartwuchs und eine dunklere Stimme bekommen. Trans* Frauen entwickeln häufig etwas Brustwachstum und ihre Körperbehaarung wird weniger. Es ist sehr wichtig, dass du die Hormonbehandlung ärztlich absprichst. Um Hormone zu bekommen, benötigst du eine „Indikation“, also eine Diagnose von einer Ärztin/einem Arzt, einer Psychiaterin/einem Psychiater oder einer Psychologin/einem Psychologen. Die Voraussetzungen für eine Indikation sind nicht festgelegt; es kann manchmal ein einziger Termin ausreichen.

Die Hormone, die du bekommst, musst du nicht selbst bezahlen, denn sie werden von der Krankenkasse übernommen.

Psychotherapie

Die Kosten für Psychotherapien im Zusammenhang mit Transsexualität/Transidentität werden von der Krankenkasse übernommen. Eine Psychotherapie kann dir auf deinem Weg weiterhelfen und ist eine sehr wichtige Grundlage für eine Transition.

Therapeutinnen und Therapeuten können dir auch den Bericht schreiben, den du benötigst, damit geschlechtsangleichende Operationen von der Krankenkasse bezahlt werden. Wenn du schon weißt, dass du das möchtest, solltest du die Therapeutin oder den Therapeuten zu Beginn der Therapie danach fragen.

Geschlechtsangleichende Operationen

Unter bestimmten Voraussetzungen können viele der geschlechtsangleichenden Operationen, die wir oben aufgelistet haben, von der Krankenkasse gezahlt werden. Eingriffe, die von der Krankenkasse als „kosmetisch“ bezeichnet werden (insbesondere Gesichtsfeminisierung, Kehlkopfreduktion und Haartransplantation) werden leider nicht finanziert. Ob der Brustaufbau gezahlt wird, hängt davon ab, wie groß die Brüste durch die Hormonbehandlung geworden sind.

Damit die Krankenkasse geschlechtsangleichende Operationen zahlt, musst du mehrere Voraussetzungen erfüllen: Du musst seit mindestens 6 bis 12 Monaten Hormone nehmen, seit mindestens 18 bis 24 Monaten psychiatrisch-psychologisch begleitet werden und seit 12 bis 18 Monaten in deinem „wahren“ Geschlecht leben („Alltagstest“). Darüber schreibt ein*e Therapeut*in eine ausführliche Stellungnahme, einen sogenannten „Indikationsbericht“. Dieses Dokument wird zusammen mit weiteren Unterlagen an die Krankenkasse geschickt. Eine zuständige Stelle, der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK), erstellt in der Regel ein Gutachten dazu, ob die Maßnahme von der Krankenkasse bezahlt werden sollte. Die Krankenkassen entscheiden dann auf Grundlage dieses Gutachtens.

Such dir unbedingt Unterstützung bei einer Beratungsstelle. Dort findest du wichtige Informationen und Unterstützung. Auch Selbsthilfegruppen können dir bei vielen Fragen weiterhelfen.

 

  1. Anlaufstellen für trans* Menschen

Unter Anlaufstellen findest du eine Karte mit allen spezialisierten Beratungsstellen und Gruppenangeboten, die sich an LSBTI*-Geflüchtete richten.

Für trans* Menschen gibt es viele unterschiedliche Angebote: Trans*-Beratungsstellen mit professionellen Beraterinnen und Beratern, ehrenamtliche Trans*-Beratung und Trans*-Gruppen. Die Menschen dort haben nicht alle genaues Wissen zu Flucht und Asyl, aber können dir bei einer Vielfalt von Fragen zu Transidentität und Transsexualität weiterhelfen, zum Beispiel: Woran merke ich, dass ich trans* bin? Wie kann ich Hormone bekommen? Was gibt es für Operationen und was muss ich dafür tun? Was kann ich tun, wenn ich diskriminiert werde? Außerdem kannst du in Ruhe über deine Wünsche und deine Befürchtungen sprechen. Und in Trans*-Gruppen kannst du in Ruhe andere trans* Menschen kennenlernen.

Wenn du nicht auf Deutsch beraten werden kannst oder möchtest, kannst du eine Person zum Dolmetschen mitbringen. Wenn du nicht weißt, wen du mitbringen kannst, frage bei einer Beratungsstelle nach.

Leider sind die folgenden Webseiten hauptsächlich auf Deutsch. Wenn du noch nicht so gut deutsch sprichst, kannst du eine Vertrauensperson fragen, ob er oder sie dir beim Übersetzen hilft.

Auf der Seite der dgti findest du unter Beratungsstellen bundesweit Unterstützungsangebote, die über besondere Expertise beim Thema Transsexualität und Transidentität verfügen. Auch das Regenbogenportal gibt einen guten Überblick über bundesweite Angebote. Eine Zusammenstellung von Anlaufstellen für trans* Menschen in Nordrhein-Westfalen (Beratungsstellen und Gruppen) findest du auf der Webseite des Netzwerks Geschlechtliche Vielfalt Trans* NRW e.V..

Weitere interessante Webseiten, Foren und Facebookgruppen für trans* Menschen:

Webseiten:

Hormonmädchen

Gendertreff

Transsexuell.de

TransMann e.V. (für trans* Männer)

Foren:

In diesen Foren kannst du dich mit anderen trans* Menschen austauschen und viele Informationen finden.

Gendertreff-Forum

TransTreff-Forum

FTM-Portal (Forum für trans* Männer)

NBForum (Forum für nichtbinäre Menschen)

Facebookgruppen:

Auch in geschlossenen Facebook-Gruppen kannst du dich mit anderen trans* Menschen austauschen.

Transgender Germany – TGG

Deutschsprachige Enby / Non-Binary Menschen (für nicht-binäre trans* Menschen)

Transgender Support Circle (auf Englisch)

All transmen know each other (für trans* Männer, auf English)

 


 

Originaltext mit freundlicher Genehmigung durch

 

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